11 Weihnachtslieder, deren Originale keiner kennt

Weihnachtslieder, deren Originale keiner kennt

Jedes Jahr dudeln unzählige Weihnachtslieder aus den Lautsprechern, doch während jeder weiß, dass „Last Christmas“ von Wham! oder „All I Want for Christmas“ von Mariah Carey stammen, haben viele noch nie die Original-Versionen von „The Little Drummer Boy“, „I’ll Be Home for Christmas“ oder „Let It Snow!“ gehört. Kein Wunder, Weihnachtslieder sind echte „Langstreckenläufer“. Will heißen: die Originalversion muss nicht zwangsläufig sofort ein Erfolg gewesen sein. Manchmal benötigten die Lieder einige Versionen und viele Jahre, um den Durchbruch zu schaffen. Umgekehrt können Originale, die große Hits waren, mit den Jahren in Vergessenheit geraten. Vielleicht weil x modernere Versionen ihnen den Rang ablaufen. Ich habe mir 11 Weihnachtsklassiker ausgesucht, deren Geschichte und Originale ich näher beleuchten möchte.

Bei der Vorauswahl verstand es sich von selbst, dass Lieder mit einem religiösem Hintergrund oder Traditionals, die womöglich schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben, im Sinne dieses Artikels keine auf Tonträgern eingespielte Originalversion haben. Damit fallen „Silent Night“, „O Holy Night“ oder „Deck the Halls“ ebenso unter den Gabentisch wie an Weihnachten gerne gespielte Titel à la „Amazing Grace“ oder sämtliche „Ave Marias“.

01. The Little Drummer Boy

Das Lied vom armen trommelnden Jungen hieß ursprünglich „The Carol of the Drum“ und wurde während des Zweiten Weltkriegs von einer Dame namens Katherine Kennicott Davis geschrieben. Als Vorlage soll ihr ein tschechisches Traditional gedient haben, welches genau ist allerdings nicht überliefert. Obwohl allgemein 1941 als Entstehungsjahr von „The Carol of the Drum“ genannt wird, soll erst 1953 mit einer Einspielung der Trapp Family Singers die erste offizielle Aufnahme des Klassikers erschienen sein. Wem diese Gruppe nichts mehr sagt, auf deren Geschichte basieren das Musical und der Film „The Sound of Music“.

1957 folgte eine weitere Fassung von Jack Halloran und seinen „Singers“. Deren Arrangeur Henry Onorati sicherte sich daraufhin einen Teil der heutigen Rechte am Songwriting von „Carol of the Drum“ und reichte das Stück an Harry Simeone weiter. So entstand 1958 die Version des Harry Simeone Chorale, der dem Lied unter dem heute bekannten Titel „The Little Drummer Boy“ endgültig zum weltweiten Durchbruch verhalf und seine Fassung gerne als Original deklarierte. Kein Wunder, dass auch er sich ein Drittel der Liedrechte sicherte. Das Weihnachtslied war bis zum Anfang der 1970er Jahre in der Simeone-Version jährlich ganz oben in den Weihnachtscharts und zahllose Cover-Versionen sorgen bis heute für volle Klingelbeutel. Besonders bemerkenswert ist das Duett von David Bowie und Bing Crosby, das 1977, kurz vor dem Tod des Crooners, für ein Fernsehspecial entstand.

02. I’ll Be Home for Christmas

Bing Crosby hat nicht nur als erster „White Christmas“ gesungen, sondern auch diesen Klassiker, der im Original von 1943 noch den Zusatz „If Only In My Dreams“ in Klammern trägt. Dieses Lied wurde unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs geschrieben. In ihm drückten Walter Kent und Kim Gannon die Sehnsucht der in Übersee stationierten Soldaten nach einer Rückkehr aus den Wirren des Krieges zur Weihnachtszeit aus. Der seinerzeit ebenfalls sehr erfolgreiche Songschreiber Buck Ram erstritt vor Gericht ein Drittel der Urheberschafft, da er ein Jahr zuvor ebenfalls einen Song mit diesem Titel registriert hatte und Kent und Gannon scheinbar diesen als Vorlage gewählt hatten.

Die erste Veröffentlichung auf Schellack spielte Crosby mit dem John Scott Trotter Orchestra für Decca ein. Als Superstar seiner Zeit erreichte er damit natürlich auch die Charts. Im Jahre zuvor hatte er mir „White Christmas“ elf Wochen den ersten Platz belegt, „I’ll Be Home for Christmas“ schaffte es „nur“ auf Platz drei. In Großbritannien interpretierte man den Text übrigens etwas anders. Die BBC verbot die Ausstrahlung, da man Angst hatte mit dem sehnsuchtsvollen Text die Truppen zu demoralisieren. Lange Jahre blieb Crosbys Version die bekannteste. Eine der ersten Cover-Versionen stammt aus dem Jahre 1946 von Perry Como.

03. Santa Claus Is Comin‘ to Town

Ebenfalls uralt und nicht minder berühmt: der Weihnachtsmann, der in die Stadt kommt. Komponiert wurde der Klassiker 1933 von J. Fred Coots. Die Legende besagt, dass er gemütlich in der Metro saß und dabei von der Muse geküsst wurde. Die ausgerufenen Metrostationen inspirierten ihn zur Melodie – Coots kritzelte den Notensatz schnell auf einen Briefumschlag. Der Liedtexter Haven Gillespie verfasste dazu einen Text. Als erste Aufnahme gilt die Fassung von Harry Reser und seinem Orchester, die Leadstimme übernahm der Sänger Tom Stack. Reser galt als einer der besten Jazz-Banjospieler der 1920er Jahre. In jenen Tagen hatte er eine Handvoll Hits, die bis in die 1930er Jahre reichten. Premiere feierte das Lied 1934 in der damals immens populären Radiosendung von Eddie Cantor. Damit war ein schneller Erfolg praktisch garantiert – innerhalb kürzester Zeit wurden gut 100.000 Notentexte verkauft. Noch im gleichen Jahr erreichte „Santa Claus“ auch die amerikanischen Charts, allerdings in einer Version von George Hall, der für seine Aufnahme den Sänger Sonny Schuyler verpflichtete.

Ein Jahr später nahm der weitaus berühmtere Big-Band-Leader Tommy Dorsey, der gerade seine ersten Hits feierte, eine erfolgreiche Version von „Santa Claus“ auf. Weitere zehn Jahre später war der Song dann auch bei den berühmten Croonern jener Tage angekommen: Erneut waren es Bing Crosby und Perry Como, die mit ihren Versionen zur enormen Popularität des Titels beitrugen. Unnützes Wissen: Beim Original wurde das Wort „Comin‘“ noch mit Apostroph geschrieben, spätere Versionen gaben je nach Laune der Plattenfirmen die Wortendung mit „g“ an. Viele Jahre später entstand übrigens eine deutsche Version: „Der Weihnachtsmann kommt heute in die Stadt“.

04. Winter Wonderland

Das Jahr 1934 brachte uns nicht nur „Santa Claus Is Comin‘ to Town“, sondern auch „Winter Wonderland“, einem Lied, das von Felix Bernard komponiert wurde. Richard B. Smith schrieb den Text dazu. Das Lied ist besonders bemerkenswert, weil der Song Weihnachten eigentlich mit keiner Silbe erwähnt. Es geht vielmehr um eine Romanze im Schnee. Richard Himber and his Ritz-Carlton Orchestra gelten als Original-Interpreten; Joey Nash übernahm die Leadstimme. Nicht viel später nahm Guy Lombardo eine Version mit seinem Orchester auf, die Platz 2 in den amerikanischen Charts erreichte und dem Stück zum Durchbruch verhalf. Auch Ted Weems, wie Lombardo ein sehr erfolgreicher Orchesterchef der damaligen Zeit, hatte mit dem Song noch 1934 einen Hit. Damit dürfte auch wiederlegt sein, dass die beiden Songautoren von „Winter Wonderland“ den Erfolg ihrer Komposition nicht mehr miterlebten. Allerdings hatte Smith nicht lange etwas davon, er verstarb bereits 1935; Bernard folgte 1944.

Zwei Jahre später stand Perry Como, seinerzeit neben Bing Crosby DER Experte für Weihnachtsmusik, mit seiner Version von „Winter Wonderland“ in den Top-10 der amerikanischen Single-Charts. Im gleichen Jahr spielten auch die Andrews Sisters eine Version ein und wurden dabei von keinem Geringeren als von Guy Lombardo begleitet. Der Erfolg des Evergreens ist bis heute ungebrochen: Laut einer Erhebung der ältesten Verwertungsgesellschaft der USA, ASCAP, von 2007 war „Winter Wonderland“ das am meisten gespielte Weihnachtslied der letzten Jahre. Die Version der Eurythmics von 1987 soll dabei besonders oft gespielt werden.

05. Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!

Neben „Winter Wonderland“ ist „Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“ wohl das Lied, das einem sofort in den Sinn kommt, wenn es um pulverige Winterlandschaften geht. Auch hier müssen wir mit dem Schlitten weit in die Vergangenheit reisen, denn 1945 nahm Vaughn Monroe mit seinem Orchester die erste Version dieses Evergreens auf. Monroe gehörte mit seinen Jungs zu den erfolgreichsten Big Bands ihrer Zeit – wohl auch deshalb war das Lied auf Anhieb ein Riesenerfolg – im Dezember ’45 stand es auf Platz 1 der USA. Die Konkurrenz riss sich förmlich um das Lied und so entstanden in schneller Folge weitere kommerziell erfolgreiche Versionen von Woody Herman, Bobby Sherwood, Russ Morgan oder Bob Crosby (Bings Bruder), allesamt berühmte Big-Band-Leader ihrer Zeit. Das muntere Covern war damals also fast noch angesagter als heutzutage.

Monroes Vorteil gegenüber der Konkurrenz war allerdings, dass er selbst gut singen konnte und seine markante Stimme sicherlich auch den Erfolg von „Let It Snow“ förderte. Auch wenn spätere Versionen von Croonern wie Dean Martin oder Johnny Mathis über die Jahrzehnte berühmter wurden, erlebte Monroes Fassung spätestens in den 1980er Jahren ein ungewöhnliches Comeback: Das Stück war im Action-Klassiker „Stirb langsam“ zu hören und wurde auch im zweiten Teil gespielt. Der Meister selbst erlebte das Comeback nicht mehr, er war bereits 1973 verstorben und hat uns neben „Let It Snow“ noch einige andere Klassiker hinterlassen. Darunter „Red Roses for a Blue Lady“ oder „(Ghost) Riders in the Sky“.

06. The Christmas Song (Chestnuts Roasting on an Open Fire) oder (Merry Christmas to You)

Neben „White Christmas“ von Bing Crosby dürfte der „Christmas Song“ wohl zu den wenigen Weihnachts-Standards gehören, deren Originalinterpret unabhängig vom Alter noch immer die berühmteste und weltweit meist gespielte Version innehat. Welche genau, ist allerdings schwierig zu sagen, denn Nat „King“ Cole, der Sänger des Originals, nahm das Lied selbst mehrfach auf. Kein Wunder, erlebte der legendäre Jazz-Musiker doch den Wandel von Schellack auf Vinyl in voller Blüte. Zudem machte er bis zu seinem Tode Anfang 1965 einige Modewellen mit, die auch einen Einfluss auf die Veröffentlichung von Weihnachtsmusik hatten. Die erste Fassung des „Christmas Songs“ stammt aus dem Hochsommer 1946, seinerzeit noch als The King Cole Trio with String Choir auf dem Plattenlabel. Als Zusatz stand „Merry Christmas to You“ hinter dem Titel, spätere Versionen übernahmen den ersten Satz des Liedes, „Chestnuts Roasting on an Open Fire“.

Die Platte erreichte Platz 3 der amerikanischen Charts. Cole spielte 1953 unter der Regie von Nelson Riddle eine neue Mono-Version ein. 1961 folgte die Stereo-Variante mit dem Arrangeur Ralph Carmichael. Über 25 Jahre später tauchte dann durch Zufall eine weitere, frühere Version auf (Video 2). Zwei Monate vor der bereits genannten Fassung im Jahre 1946 nahm Cole eine deutlich abgespecktere Variante auf, die zunächst im Archiv verschwand. Weiterhin bemerkenswert: Mel Tormé, der den „Christmas Song“ mit Robert Wells geschrieben hatte, war selbst ein gefeierter Sänger und nahm das Lied ebenfalls auf. Er benötigte nach eigener Aussage nur 45 Minuten für die Komposition, zählte diese allerdings nicht zu seinen besten Werken und wertete sie einmal als nichts weiter als eine „sichere Renteneinkunft“ ab. Trotzdem sang er sie immer wieder, so beispielsweise 1963 zusammen mit Judy Garland in einem TV-Special.

07. Silver Bells

Das Lied von den silbernen Glocken stammt aus dem Jahre 1950 und bezüglich der Originalversion ist es ein bisschen wie mit dem Huhn und dem Ei. Ray Evans und Jay Livingston hatten den Song geschrieben, der im Sommer des besagten Jahres bei den Dreharbeiten zum Kinofilm „The Lemon Drop Kid“ in einer Duett-Version von Bob Hope und Marilyn Maxwell zum ersten Einsatz kam. Die Komödie erschien allerdings erst 1951 in den Kinos. Da hatte der Weihnachtslieder-Profi Bing Crosby schon längst eine eigene Version mit seiner Kollegin Carol Richards eingespielt und im Herbst 1950 als Single veröffentlicht. Darum gilt diese Fassung dann allgemein auch als Original.

Angeblich mussten Hope und Maxwell daraufhin zurück ins Studio, um ihre Version noch mal neu einzusingen. Schräg: In der dazugehörigen Filmszene schreiten Maxwell und Hope (als Weihnachtsmann verkleidet) auf der Straße an mehreren Menschen vorbei, darunter auch an zwei chinesisch aussehenden Buben, die passend zum Lied „Ring-a-ling“ singen. Hope klopft ihnen daraufhin keck auf den Kopf und entgegnet „O-ling, o-ling“. Damals ein Schenkelklopfer, heute eher rassistisch. Hope nahm den Song 1977 noch einmal auf: Für ein Fernsehspecial trällerte er ihn mit Olivia Newton-John. Evans und Livingston indes hörten nach 1950 nicht nur die „Silver Bells“ klingeln, sondern auch die Kassen der Plattenindustrie, denn das profilierte Songwriter-Duo reichte den Titel an eine illustre Schar von Künstlern weiter, für die sie bereits etliche Superhits geschrieben hatten: Peggy Lee, Doris Day, The Ames Brothers, Johnny Mathis und viele mehr.

08. Sleigh Ride

Dieser Weihnachtsklassiker besaß in der Original-Version zunächst keinen Text. Das Boston Pops Orchestra unter der Leitung von Arthur Fiedler spielte diesen von Leroy Anderson geschriebenen Song 1949 instrumental für RCA Victor ein. Die Platte erreichte Platz 24 in den USA. Anderson, selbst Orchesterchef, spielte seinerseits eine Version im darauffolgenden Jahr ein. Laut seiner offiziellen Website kam ihm die Idee zu „Sleigh Ride“ im Hochsommer. Vielleicht war ihm da gerade nach einer Abkühlung im Schnee.

Mitchel Parish („Stardust“) schrieb den Text zu „Sleigh Ride“, bei dem mal wieder Weihnachten an sich gar nicht erwähnt wird. Es wird lediglich eine gemütliche Schlittenfahrt bei schönem Wetter im Schnee thematisiert. Bereits Ende 1950 nahmen die Andrews Sisters, die zu diesem Zeitpunkt noch immer sehr populär waren, die vielleicht erste gesungene Version auf. Das Stück ist in Deutschland deutlich weniger bekannt als in den USA, wo es nach wie vor ein Superhit der Wintersaison ist. Laut der bereits weiter oben erwähnten Erhebung der ältesten Verwertungsgesellschaft der USA, ASCAP, von 2012 war „Sleigh Ride“ das am meisten gespielte Weihnachtslied der Jahre 2009 bis 2012. Die instrumentale Version von Leroy Anderson soll die populärste sein. Bei den Fassungen mit Text hat sich die sehr schöne von Johnny Mathis (1958) über die Jahrzehnte behauptet. Keine Chance für die Girl Group TLC und ihre Hip-Hop-Version von 1992.

09. I Saw Mommy Kissing Santa Claus

Dieser Weihnachtsklassiker wurde im Original 1952 von einem Kind gesungen, dem erst 13-jährigen Jimmy Boyd. Das war kein Zufall, denn der Songautor Tommie Connor beschreibt im Text ein Kind, das am Heiligen Abend die Treppe hinunterschleicht und sieht, wie sich dessen Mama und der vermeintliche Weihnachtsmann küssen. Das Lied war auf Anhieb ein Riesenerfolg, platzierte sich auf Platz 1 der US-Charts und machte aus Boyd über Nacht einen Star. Ein ganzes Album mit Weihnachtsliedern, „Christmas with Jimmy Boyd“, wurde veröffentlicht. Ein Debütalbum mit Weihnachtsliedern können sicherlich nur ganz wenige Künstler vorweisen.

1953 hatte Boyd im Duett mit dem damals sehr populären Sänger Frankie Laine einen weiteren Top-5-Hit („Tell Me a Story“), mit Rosemary Clooney gelang ihm ebenfalls ein Erfolg, ansonsten war er aber auf das Singen von Weihnachtsliedern abonniert. Es erschienen erfolglose Singles mit so schönen Titeln wie „Santa Got Stuck in the Chimney“, „I Saw Mommy Do the Mambo (with You Know Who)“ und „Reindeer Rock“. Haben wollte die allerdings keiner. Bis zum Ende der 1960er nahm Boyd für diverse Label weiter fleißig Platten auf, hatte aber mehr Erfolg als Schauspieler. Er verstarb 2009 im Alter von 70 Jahren.

10. Have Yourself a Merry Little Christmas

Wie „White Christmas“ oder „Silver Bells“ feierte „Have Yourself a Merry Little Christmas“ seine Premiere in einem Kinofilm: 1944 sang die unvergessene Judy Garland das Lied erstmals in einer besonders bewegenden Szene von „Meet Me in St. Louis“. Insgesamt existieren drei verschiedene Textversionen von „Have Yourself“, die ursprüngliche von 1943 zielte auf den seinerzeit immer noch tobenden Zweiten Weltkrieg ab: „Have Yourself a Merry Little Christmas, It may be your Last. Next Year we will all be living in the past.“ Das war Garland zu heftig und sie verlangte eine Textänderung, zumal es im Film auch um einen anstehenden Umzug in eine andere Stadt geht und nicht um nicht mehr heimkehrende Soldaten. Ironie des Schicksals: Die Soldaten des Zweiten Weltkriegs liebten das Lied auch ohne die besagte Textzeile und waren zu Tränen gerührt.

Auch der große Frank Sinatra nahm das Lied in den folgenden Jahren zwei Mal auf. 1947 in der „St. Louis“-Fassung und 1957 für seinen Albumklassiker „A Jolly Christmas“. Bei jenem Mal wollte er aber unbedingt eine etwas schwungvollere Version, eben „jolly“, daher änderte der Original-Autor Hugh Martin Sinatra zuliebe erneut den Text: Die pessimistische Passage gegen Ende, „Until then we’ll have to muddle through somehow“, flog raus, „Hang a shining star upon the highest bough“ kam rein. Nun waren sämtliche traurigen Bezüge ausgemerzt und das Lied hat eine hoffnungsvolle, festliche Note. In dieser Form wird es bis heute immer wieder gecovert. Angeblich sollen jedes Jahr gut ein bis zwei Millionen US-Dollar an Tantiemen fließen. Judy Garland nahm übrigens einige andere Weihnachtslieder auf, die alle Jahre wieder von windigen Plattenfirmen gerne mit feierlichen Nummern zu irgendwelchen Compilations zusammengefasst werden.

11. Do You Hear What I Hear?

Das Ehepaar Noël Regney und Gloria Shayne Baker hatten bereits eine Handvoll Hits für Künstler wie James Darren oder Bobby Vinton verfasst, als ihnen 1962 genau das gelang, von dem wohl viele Songwriter träumen: Einen Klassiker schreiben! Und ein echter Weihnachtsklassiker garantiert volle Kassen, auch wenn die Karriere irgendwann mal abebbt. Heute längst vergessen, die politische Inspiration hinter diesem Titel, denn der Franzose Regney, der schon für Edith Piaf und Lucienne Boyer gearbeitet hatte, und die Amerikanerin Baker wollten damit für Frieden in Zeiten der Kubakrise werben. Als erste Version gilt die des Harry Simeone Chorale, der ja ein paar Jahre zuvor auch dem „Little Drummer Boy“ zum Durchbruch verholfen hatte. Diese Version soll sich rund 250.000 Mal verkauft haben, erreichte aber dennoch nicht die Charts. Das hielt Simeone aber nicht davon ab, den Song noch einmal aufzunehmen. Hier unten könnt ihr die erste Fassung hören.

Im Folgejahr nahm auch der alte Haudegen Bing Crosby eine sehr bekannte Version auf. Die Lieblingsversion von Regney war allerdings die besonders kraftvolle Fassung von Broadway-Legende Robert Goulet aus dem Jahre 1968. Doch wirft man einen Blick auf YouTube und vergleicht dort die Zugriffszahlen, steht mit weit über sieben Millionen Aufrufen dann doch eine moderne Version ganz oben: Carrie Underwoods Country-gefärbte Fassung von 2007. Hier unten gibt es eine Live-Version, die es „nur“ auf anderthalb Millionen Aufrufe bringt.

So gut wie alle Originale, aber auch die meisten der oben genannten Cover-Versionen können bei Spotify in meiner Playlist angehört werden. Fast zwei Stunden Weihnachtsmusik.

Mehr Weihnachtsmusik gibt es in meinem Artikel Die 11 besten Weihnachtsalben der 1960er Jahre.

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