Aus dem Giftschrank: Als Shirley Bassey und Al Corley („Denver-Clan“) im Duett trällerten

Wer nicht schon alles gesungen hat! Al Corley, einst Teenie-Idol und Traum vieler Schwuler, die sich Anfang der 1980er Jahre am Coming-out seiner Rolle als Steve Carrington im „Denver-Clan“ erfreuten, versuchte sich auf dem Höhepunkt seiner Schauspiel-Karriere auch als Sänger. Der Synthie-Song „Square Rooms“ (1984) floppte zwar in den USA, war aber ein Hit auf dem europäischen Festland, sogar Platz eins in Frankreich. Nur wenig später dachte man sich, ein Duett mit der Showbiz-Legende Shirley Bassey wäre eine gute Idee. Dabei ignorierte man nicht nur die Tatsache, dass die britische Diva ihren Zenit bereits deutlich überschritten hatte, sondern auch, dass Corleys dünnes Stimmchen kaum gegen ihre Stimmgewalt ankommen würde.

Unfassbar, aber wahr: Trotzdem sangen (Bassey) und säuselten (Corley) die zwei eine Cover-Version von „Paroles, paroles“ (ein Original von Dalida und Alain Delon) ein. Und das klingt so übel, dass es für Trash-Fans wie mich schon wieder ein echtes Fest ist. Da bluten die Ohren! Fast noch schlimmer ist das dazugehörige Single-Cover mit Bassey in einer Glaskugel. Das hielt sie aber nicht davon ab, noch ein Duett mit Al Corley aufzunehmen: „Thought I’d Ring You“. Diesen Titel nahm sie zeitgleich – und damit war dann die Verwirrung perfekt – ausgerechnet auch mit Alain Delon auf (ein kleiner Hit in den Niederlanden).

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Rezension: A Flock of Seagulls – „A Flock of Seagulls“ (1982)

Ein ganz starkes Debüt dieser Band aus Liverpool. Eine abwechslungsreiche, fantasievolle Mischung aus New Wave, Pop und Rock. Die Singles „I Ran“ und „Space Age Love Song“ waren natürlich die absoluten Kracher und gehören auch heute noch zu den Perlen der 1980er Jahre innerhalb ihres Genres. Doch auch „Modern Love Is Automatic“ mit seinem düsteren, nebulösen Intro ist klasse. Von einem ähnlichen Kaliber ist „Standing in the Doorway“. Und vor allen Dingen klingt das gesamte Album auch heute noch relativ frisch, oder es liegt schlicht daran, dass heute wieder viele Bands jene Ideen der Flock of Seagulls aufnehmen.

Das Album war ein weltweiter kommerzieller Erfolg und erreichte unter anderem die Top-10 der USA. „I Ran“ zog nach – in Australien stand der Song sogar auf Platz eins. Besonders bemerkenswert: Das Instrumental „D.N.A.“ wurde mit einem Grammy für die „Best Rock Instrumental Performance“ ausgezeichnet.

Rezension: Barbra Streisand – „What About Today?“ (1969)

Mit diesem Album läutete Barbra Streisand mäßig erfolgreich ihre „Contemporary Pop“-Phase ein. Die Musical- und Standards-Schiene war ein wenig ausgereizt. Die Streisand und vor allen Dingen ihr Plattenlabel Columbia wollten endlich die Jugend erreichen. Songs von Simon & Garfunkel, den Beatles, Burt Bacharach und Jimmy Webb sollten die Kohlen aus dem Feuer holen. Das Projekt scheiterte auf hohem Niveau, denn die Streisand experimentierte munter drauf los und das Meiste ist nach meiner Meinung durchaus hörenswert.

Als Arrangeur wurde unter anderem der wunderbare Don Costa (Frank Sinatra & Co.) verpflichtet. So entstand ein interessanter Mix aus der „alten“ und der „neuen“ Barbra. Außerdem ist die Songauswahl wie auch bei den folgenden Werken weitaus origineller als bei vergleichbaren Alben anderer Columbia-Künstler wie Tony Bennett, Johnny Mathis oder Andy Williams. In den US-Charts blieb das Werk auf # 31 hängen, was bis dahin ihre schlechteste Platzierung war. Edelmetall gab es bis heute auch keines dafür. Bemerkenswert: Das Cover, ein Foto des Fotografen Richard Avedon.

Rezension: Olivia Newton-John – „Soul Kiss“ (1985)

1„Soul Kiss“ ist ein selbst von ihren Fans sehr unterschiedlich aufgenommenes Album von Olivia Newton-John, das seinerzeit am deutlichsten ihre „Sexy-Phase“ ab 1978 unterstrich und letztendlich beendete. Der Titelsong knüpfte thematisch an „Physical“ an, kroch allerdings nicht ganz so hitverdächtig aus den Boxen („nur“ Top-20 in den USA), die zweite Single „Toughen Up“ floppte weltweit. Ansonsten gibt es jede Menge typische 80er-Jahre-Sound-Spielereien („Queen of the Publication“, „Moth to a Flame“, „Driving Music“), ein nostalgisches Kuschelduett mit Beach Boy Carl Wilson und eine überaus zauberhafte, bewegende Ballade am Schluss („The Right Moment“). Textlicher Knaller ist der „flotte Dreier“ in „Culture Shock“!

Als weitere Stargäste im Background sind unter anderem die Schauspielerin und Sängerin Katey Sagal (Peggy Bundy aus „Eine schreckliche nette Familie“) sowie Christopher Cross, Lee Ritenour und Larry Carlton mit von der Partie. Die sehr ausgefallenen Fotografien stammen von Helmut Newton (Vorder- und Rückseite) und Herb Ritts (Innenseite). Gemessen an den vorherigen Erfolgen „Grease“, „Physical“ oder auch die Best ofs war „Soul Kiss“ sicherlich kein großer Wurf, erhielt aber trotzdem eine Gold-Auszeichnung in den USA. Für mich ein herrliches „Guilty Pleasure“.

Update: Zu diesem Album habe ich auf Pinterest eine Pinnwand erstellt.

Rezension: Donna Summer – „Crayons“ (2008)

Abgesehen von einem Weihnachtsalbum, einer Live-CD und viel zu vielen Best-ofs hatte Donna Summer in den letzten 17 Jahren nur etliche Singles auf den Markt gebracht, die höchstens auf dem amerikanischen Dance-Markt gut ankamen. Ein Studio-Album wurde immer wieder versprochen, aber erst 2008 realisiert. Und was soll ich als echter Summer-Fan sagen? Eine riesige Enttäuschung – vielleicht sogar das schwächste Studio-Album ihrer Karriere. Der krampfhafte Versuch, eine fast tote Hit-Karriere zu beleben. Die pseudohippen Sounds nerven besonders bei den ersten Songs. Die wunderbare Stimme, die sie zweifelsohne noch hat, geht bei den meisten Liedern völlig im Studio-Bombast unter. Dazu verzerrte man sie noch mit Vocodern und ähnlichem Schnickschnack. Erst gegen Ende gewinnt das Album mit einigen interessanten Genre-Wechseln an Niveau – und gipfelt in der schönen Ballade „Be Myself Again“. Mit den beiden letzten Songs geht die Kurve allerdings knallhart wieder nach unten. Schade, das lange Warten hat sich nicht gelohnt. Die ehemalige „Queen of Disco“ hat in den USA zwar einen erstaunlichen Einstieg in den Charts geschafft (Alben # 17), danach ging es aber auch schnell wieder abwärts.

Update: Der am Album beteiligte Songwriter und Produzent Greg Kurstin soll später mit Songs für P!nk [„Blow Me (One Last Kiss“), „Try“], Lily Allen („Hard Out Here“) oder Kelly Clarkson [„Stronger (What Doesn’t Kill You)“] so richtig abräumen.

Rezension: Agnetha Fältskog – „My Colouring Book“ (2004)

Für mich eines der schönsten Comebacks des Jahres 2004! Ich kann kaum fassen, dass ich wirklich ein neues Album von Agnetha Fältskog in Händen halte und dass 17 Jahre seit dem letzten ins Land gegangen sind. Jetzt fehlt nur noch was Neues von Kate Bush und alles wird gut. Agnetha singt immer noch genauso fantastisch wie früher und ihre doch sehr persönliche Auswahl der Songs ist wunderbar. Eine tolle Cover-Mischung aus Klassikern, Geheimfavoriten und Hits. Die Arrangements sind zum großen Teil recht altmodisch, was allerdings sehr charmant und glaubwürdig wirkt. Hin und wieder versucht sie es aber auch mit einem modernen Arrangement, wie bei „What Now My Love“. Ganz hervorragend auch, das düstere „Past, Present and Future“, sowie die erste Single-Auskopplung „If I Thought You’d Ever Change Your Mind“, im Original von Cilla Black.