Rezension: Al Hirt & Ann-Margret – „Beauty And The Beard“ (1964)

Nein, die Kritiker mochten diese Kombination ganz und gar nicht. Schließlich hatte die Schauspielerin und „Beauty“ Ann-Margret mit Jazz herzlich wenig am Hut und „Beard“-Trompeter Al Hirt war vielen aufgrund seiner Affinität für Easy Listening ohnehin suspekt. Weder Ann-Margret noch Al Hirt sind besonders herausragende Sänger – was insbesondere ihn nicht darin hinderte, es hier wenigstens zu versuchen. Als Trompeter ist er wesentlich überzeugender. Dennoch bietet das längste vergessene Album herrlichen Lounge-Spaß, wenn man das Projekt nicht ganz so ernst nimmt und sich an der entspannten Atmosphäre erfreuen kann. Klassiker wie „My Baby Just Cares for Me“, „Baby, It’s Cold Outside“ oder „Ma, He’s Making Eyes at Me“ gehen leicht ins Ohr und passen ohne weiteres zu einem entspannten Abend auf dem Sofa.

Hirt hatte bei der Veröffentlichung gerade einen Riesenerfolg mit dem Album „Honey In The Horn“ gehabt, Ann-Margret zumindest zu Beginn der 1960er Jahre einige wenige Hits in den US-Hitlisten. Als das Album auf # 83 in den amerikanischen Charts chartete, war es für Hirt ein eher mäßiger Erfolg. Im Gegensatz dazu freute sich Ann-Margret allerdings erstmals die Album-Charts zu erreichen. Mittlerweile wurde das Werk einige Male auf CD wiederveröffentlicht.

Rezension: Barbra Streisand – „What About Today?“ (1969)

Mit diesem Album läutete Barbra Streisand mäßig erfolgreich ihre „Contemporary Pop“-Phase ein. Die Musical- und Standards-Schiene war ein wenig ausgereizt. Die Streisand und vor allen Dingen ihr Plattenlabel Columbia wollten endlich die Jugend erreichen. Songs von Simon & Garfunkel, den Beatles, Burt Bacharach und Jimmy Webb sollten die Kohlen aus dem Feuer holen. Das Projekt scheiterte auf hohem Niveau, denn die Streisand experimentierte munter drauf los und das Meiste ist nach meiner Meinung durchaus hörenswert.

Als Arrangeur wurde unter anderem der wunderbare Don Costa (Frank Sinatra & Co.) verpflichtet. So entstand ein interessanter Mix aus der „alten“ und der „neuen“ Barbra. Außerdem ist die Songauswahl wie auch bei den folgenden Werken weitaus origineller als bei vergleichbaren Alben anderer Columbia-Künstler wie Tony Bennett, Johnny Mathis oder Andy Williams. In den US-Charts blieb das Werk auf # 31 hängen, was bis dahin ihre schlechteste Platzierung war. Edelmetall gab es bis heute auch keines dafür. Bemerkenswert: Das Cover, ein Foto des Fotografen Richard Avedon.

Rezension: Al Wilson – „Searching for the Dolphins“ (1969)

Der leider in diesem Jahr verstorbene Al Wilson hatte zwar mit „Show and Tell“ 1973 einen Riesenhit (USA # 1), so richtig wollte seine Karriere jedoch nie abheben. Dafür reihten sich neben den wenigen Hits einfach zu viele Misserfolge. Wilsons Debüt aus dem Jahre 1969 für das Label Soul City ist dennoch ein absolutes Highlight und hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Natürlich hatte er mit seinen sanften Balladen und emotionalen Neuinterpretationen von Klassikern jener Tage mehr mit schwarzen Croonern à la Johnny Mathis (der auch das Original von „Show And Tell“ aufnahm) als mit Ghetto-Funkern wie James Brown gemein. Egal, seine Stimme ist absolut hervorragend, ebenso wie die hier enthaltenen Songs.

Seine ersten drei Hits, der Northern-Soul-Klassiker „The Snake“, „Do What You Gotta Do“ und „Poor Side of Town“ sind enthalten, ebenso wie klasse Fassungen von „The Dolphins“, Bacharachs/Davids „This Guy’s in Love with You“ oder „Who Could Be Lovin‘ You (Other Than Me)“. Und noch vor Isaac Hayes machte sich Wilson an „I Stand Accused“ und „By the Time I Get to Phoenix“, die auch ohne große Soul-Wände und Hayes minutenlange Raps überzeugen. Produzent dieses Kleinods war Johnny Rivers, die Arrangements übernahmen Profis wie Gene Page und Marty Paich. Denen sind dann wohl auch die Jazz-, Folk- und vor allen Dingen Pop-Farben zu verdanken. Eine verkannte Perle von Album, die erst in diesem Jahr auf CD neu verlegte wurde – mit 11 Bonus-Tracks.

Rezension: Agnetha Fältskog – „My Colouring Book“ (2004)

Für mich eines der schönsten Comebacks des Jahres 2004! Ich kann kaum fassen, dass ich wirklich ein neues Album von Agnetha Fältskog in Händen halte und dass 17 Jahre seit dem letzten ins Land gegangen sind. Jetzt fehlt nur noch was Neues von Kate Bush und alles wird gut. Agnetha singt immer noch genauso fantastisch wie früher und ihre doch sehr persönliche Auswahl der Songs ist wunderbar. Eine tolle Cover-Mischung aus Klassikern, Geheimfavoriten und Hits. Die Arrangements sind zum großen Teil recht altmodisch, was allerdings sehr charmant und glaubwürdig wirkt. Hin und wieder versucht sie es aber auch mit einem modernen Arrangement, wie bei „What Now My Love“. Ganz hervorragend auch, das düstere „Past, Present and Future“, sowie die erste Single-Auskopplung „If I Thought You’d Ever Change Your Mind“, im Original von Cilla Black.